Bewertungskriterien für Abschlussarbeiten im Informationsdesign
Diese Kriterien dienen der Orientierung für Bachelor- und Masterarbeiten im Bereich Intermediale Gestaltung und sind meine spezifischen Bewertungskriterien im Informationsdesign. Sie machen transparent, welche Aspekte in die Bewertung einfließen und wie gestalterische, konzeptionelle und theoretische Leistungen eingeordnet werden. Die Gewichtung einzelner Punkte kann je nach Projekt variieren. Entscheidend ist stets das Zusammenspiel der verschiedenen Dimensionen.
1. Thema, Fragestellung und Relevanz
- Ist eine klare Fragestellung formuliert?
- Wird ein nachvollziehbares Ziel verfolgt?
- Ist das Thema relevant (gestalterisch, gesellschaftlich, technologisch, künstlerisch)?
- Zeigt die Arbeit Eigenständigkeit oder Originalität?
Ziel: Eine präzise, reflektierte Ausgangsbasis für die Arbeit. Welche neuartigen Wege betritt die Arbeit und wie wird dieser Weg dargestellt?
2. Konzeption und Methodik
- Ist die Vorgehensweise strukturiert und nachvollziehbar?
- Wurden geeignete Methoden gewählt (Recherche, Experiment, Iteration etc.)?
- Gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Fragestellung und Vorgehen?
- Wird der Prozess dokumentiert und reflektiert?
Ziel: Ein überzeugender, transparenter Arbeitsprozess.
3. Gestalterische Qualität
- Formale Qualität (Typografie, Bild, Raum, Code, Daten etc.)
- Konsistenz der Gestaltung
- Sorgfalt in der Ausarbeitung
- Angemessenheit der gewählten Medien
Ziel: Eine präzise, bewusste, reflektierte und überzeugende Gestaltung.
4. Verhältnis von Konzept und Gestaltung
- Wird die Fragestellung in der Gestaltung sichtbar und bearbeitet?
- Entsteht ein produktiver Dialog zwischen Inhalt und Form?
- Bedingen sich Gestaltung und Konzept?
Ziel: Keine Trennung von Denken und Machen, sondern deren Integration.
5. Eigenständigkeit und künstlerische Position
- Entwickelt die Arbeit eine eigene Haltung?
- Geht sie über reine Anwendung hinaus?
- Werden Entscheidungen bewusst getroffen und begründet?
Ziel: Eine erkennbare gestalterische oder künstlerische Position.
6. Umgang mit Referenzen
- Werden relevante Referenzen einbezogen?
- Werden diese korrekt zitiert?
- Werden sie kritisch reflektiert oder nur oberflächlich verwendet?
Ziel: Ein fundierter Kontext für die eigene Arbeit.
7. Reflexion und theoretische Einordnung
- Wird der eigene Prozess kritisch hinterfragt?
- Kann die Arbeit in größere Zusammenhänge eingeordnet werden?
- Wird Gestaltung als Erkenntnispraxis verstanden?
Ziel: Fähigkeit zur Selbstreflexion und Kontextualisierung.
8. Ergebnis / Umsetzung
- Qualität des finalen Outputs (z. B. Buch, Installation, Interface, Film etc.)
- Angemessenheit der gewählten Form
- Kohärenz zwischen Prozess und Ergebnis
Ziel: Ein überzeugendes, in sich stimmiges Resultat.
9. Gesamteindruck
Die Gesamtbewertung ergibt sich nicht aus einzelnen isolierten Kriterien, sondern aus dem Zusammenspiel aller Aspekte:
- Wie überzeugend ist die Arbeit insgesamt?
- Werden die eigenen Ansprüche eingelöst?
- Zeigt die Arbeit Entwicklung, Tiefe und Präzision?
Hinweise zur Bewertung
- Eine sehr gute Arbeit (1,0–1,3) zeichnet sich durch eine starke Verbindung von Konzept, Gestaltung und Reflexion aus.
- Eine gute Arbeit (1,7–2,3) ist gestalterisch überzeugend, zeigt aber kleinere Schwächen in Konzept oder Tiefe.
- Eine befriedigende Arbeit (2,7–3,3) erfüllt die grundlegenden Anforderungen, bleibt jedoch in mehreren Bereichen unausgereift.
- Arbeiten unterhalb dieses Bereichs weisen deutliche Defizite in zentralen Kriterien auf.
Abschließende Bemerkung
Gestaltung ist kein rein formales Handeln. Abschlussarbeiten im Informationsdesign werden als Verbindung von Denken, Machen und Reflektieren verstanden. Eine starke Arbeit entsteht dort, wo diese Ebenen ineinandergreifen.